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Präsenznutzung von Zeitschriften an der ULB Düsseldorf am Beispiel aus­ge­wählter mathematisch-naturwissenschaftlicher Fächer

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Gerd Bracht, Ina Gedrath, Jochen Riks

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1. Einleitung

Ständig steigende Zeitschriftenpreise (bis zu 9 % in den STM-Fächern1) und stagnierende bzw. sinkende finanzielle Mittel zur Beschaffung dringend not­wendiger Literatur für For­schung und Lehre, führen in vielen Bibliotheken zu umfangreichen Abbestellungen von Peri­odika. Aufgrund dieser Entwicklungen werden Nutzungsanalysen von Zeitschriften durchge­führt, um dadurch Informationen über die tatsächliche Nutzung des jeweiligen Be­standes zu erhalten.

Es gibt eine Vielzahl von Methoden, durch welche die Präsenznutzung von Zeitschriften analysiert werden kann.2 Die Methodenauswahl wurde in Düsseldorf von verschiedenen Fak­toren bestimmt:

  • Die Methode sollte von den Benutzern nur durch einen erhöhten Zeit­aufwand manipuliert werden können und durfte das übliche Nutzungsverhalten nicht stark verän­dern.

  • Die Methode sollte eine Analyse der genutzten Bestände, der Nutzergruppen und der Nut­zungsarten in sechs mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern ermöglichen.

  • Die Ergebnisse sollten die Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität bei der Aus­wahl und Bestimmung eines "Zeit­schriftenkernbestandes" ihres jeweiligen Faches unter­stützen.

  • Die Methode musste den räumlichen und personellen Gegebenheiten in Düsseldorf ent­sprechen.

Die in Düsseldorf im Frühjahr 2003 durchgeführte Erhebung der Nutzungsdaten geschah durch eine Kombina­tion zweier bekannter Analysemethoden. Zum einen wurde während eines bestimmten Zeitraums eine Vollerhebung aller Kopiertätigkeiten durchgeführt. Diese "Methode der Kopienerfassung"3 wurde für den gesamten gedruckten Zeitschriftenbestand von sechs mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern ausgewählt. Zum anderen wurde die Nutzung der ungebundenen, i.d.R. aktuellen Zeitschriftenhefte, die sich in den Auslagen be­finden, durch beobachtendes Biblio­thekspersonal4 erhoben.

Bei dieser Kombination zweier Analysemethoden, ergeben sich zwei Definitionen für den Begriff "Nut­zung":

1. Nutzung = Kopieren eines Zeitschriftenaufsatzes

2. Nutzung = Lesen, Durchblättern oder Mitnehmen eines Zeitschriftenheftes.

Durch diese Festlegung entstand eine Gewichtung zu Gunsten der ersten Definition, da eine Nutzung zum einen pro Zeitschriftenaufsatz und zum anderen pro Zeit­schriftenheft gewertet wurde. Diese Gewichtung war der Projektgruppe durchaus bewusst und von ihr beabsichtigt.

2. Datenerhebung

In der Zeit vom 17.3. bis 11.4.2003 (Semesterferien) und 5.5. bis 30.5.2003 (Vorlesungszeit) wurde in der ULB Düsseldorf die Präsenznutzung des vollständigen gedruckten Zeitschriften­bestandes der sechs mathe­ma­tisch-naturwissenschaftlichen Fächer Biologie, Chemie, Ma­thematik, Pharmazie, Physik und Psychologie evaluiert. Dabei wurden die Daten sowohl in den Semesterferien als auch in der Vorlesungszeit zwei Wochen lang erhoben, so dass sich ein vierwöchiger Untersuchungszeitraum für jedes Fach er­gab.

Insgesamt waren 1.400 Zeitschriften, die sich in drei örtlich getrennten Fachbibliotheken auf dem Campus der Düsseldorfer Universität befinden, betroffen. Von diesen werden allerdings nur 679 aktuell von der Biliothek abonniert (vgl. Tabelle 1).

Fach Zeitschriften der jeweiligen Fachbibliothek Aktuell abonnierte Zeitschriften

Biologie

393

212

Chemie

219

84

Mathematik

298

182

Pharmazie

77

51

Physik

204

59

Psychologie

209

91

Summe

1.400

679

Tabelle 1: Verteilung des Zeitschriftenbestandes auf die Fächer

In der Fachbibliothek Biologie/Chemie/Pharmazie, der Fachbibliothek Geologie/Mathe­ma­tik/Physik und der Fachbibliothek Erziehungswissenschaften/Psychologie wurde die Datener­hebung während der gesamten Öffnungszeit durchgeführt (vgl. Tabelle 2).

Fachbibliothek Zeitschriften der Fächer Öffnungszeiten

FB bio/che/pha

Biologie, Chemie, Pharmazie

Mo–Fr 9–16 Uhr (Ferien)

Mo–Do 9–18 Uhr (Semester)

Fr 9–16 Uhr (Semester)

FB geo/mat/phy

Mathematik, Physik

Mo–Fr 9–16 Uhr (Ferien)

Mo–Do 9–18 Uhr (Semester)

Fr 9–16 Uhr (Semester)

FB erz/psy

Psychologie

Mo–Fr 9–16 Uhr (Ferien)

Mo–Fr 9–18 Uhr (Semester)

Tabelle 2: Standorte der Zeitschriftennutzungsanalyse

Die für dieses Projekt eingesetzten studentischen Hilfskräfte haben die Uhrzeit der Nutzung, die Zeitschriften­signatur, den Jahrgang der Zeitschrift, die Personengruppe (Wissen­schaft­ler/Stu­dent), die Fachzugehörigkeit der Nutzer (bio/che/mat/med/pha/phy/psy/extern) und die Nutzungsart (Durchblättern/Lesen/Mitnehmen/Kopieren zzgl. Anzahl der Artikel) in einem Er­hebungsbogen vermerkt. Eben­so wurde der jeweilige Zählerstand an den Kopiergeräten am Anfang bzw. Ende eines Tages vermerkt, um die Nutzung nach Schließung der Biblio­theks­räume zu messen.5

3. Ergebnisse

Das differenzierte Vorgehen bei der Nutzungsanalyse ermöglicht bei der Auswertung die Klä­rung zentraler Fragen:

Wann werden die Zeitschriftenbestände genutzt?

Die Daten wurden sowohl in den Semesterferien als auch in der Vorlesungszeit jeweils zwei Wochen lang erhoben. Da jedoch keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden konn­ten, wird in der Auswertung auf eine Differenzierung verzichtet.

Betrachtet man die Nutzung in Abhängigkeit von Ort und Zeit, erkennt man an allen Stand­orten Hauptnutzungszeiten von 11–12 Uhr (14 %) und von 14–16 Uhr (36 %). Die Nachmit­tagsnutzung ist also am ausgeprägtesten.

Diagramm 1: Verteilung der Nutzung in den Fachbibliotheken über die Zeit

Die relativ geringe Nutzung nach 16 Uhr (6 %) lässt sich damit erklären, dass die Fachbiblio­theken nur an 24 von 58 Untersuchungstagen von 16–18 Uhr geöffnet waren6. Wird die Nut­zung zwischen 16 und 18 Uhr für die 34 Tage, an den die Fachbibliotheken bereits um 16 Uhr geschlossen hatten, hochgerechnet, erhält man den gestrichelten Kurvenverlauf im Dia­gramm 1. An den bereits angegeben Hauptnutzungszeiten ändert sich somit nichts.

Welche Nutzungsarten treten im jeweiligen Fach auf?

Während des gesamten Untersuchungszeitraums wurden insgesamt 2.234 Nutzungsfälle ge­zählt. Es wurden 954 Artikel kopiert und 1.280 andere Nutzungen wie Lesen, Durchblättern oder Mitnehmen einzelner Zeitschriftenhefte beobachtet.

In Tabelle 3 ist die Verteilung der verschiedenen Nutzungsarten auf die sechs Fächer zusam­mengefasst. Es ist auffällig, dass in den Fächern Mathematik und Physik das Kopieren der Artikel jeweils unter 15 % der jeweiligen "Fachgesamtnutzung" liegt. In den Fächern Biolo­gie und Chemie liegt der Kopieranteil im Gegensatz dazu weit über 50 %, in der Psychologie sogar bei über 80 %.

Fach Fachnutzung Artikelkopien Nutzung (lesen etc.)



Anzahl

Anteil an Fachnutzung

Anzahl

Anteil an Fachnutzung

Biologie

760

395

52 %

365

48 %

Chemie

297

198

67 %

99

33 %

Mathematik

555

13

2 %

542

98 %

Pharmazie

106

47

44 %

59

56 %

Physik

173

25

14 %

148

86 %

Psychologie

343

276

80 %

67

20 %

Tabelle 3: Verteilung der Nutzungen auf die jeweiligen Fächer

Da die Zählerstände an allen Kopierern morgens und abends abgelesen wurden, war die Menge der durch die Mitarbeiter nicht erfassten Kopien genau bestimmbar. Sie lag bei allen drei Standorten unter 11 % und im Mittel bei 6,3 %, so dass angenommen werden kann, dass die Nichtbe­rücksichtigung der nächtlichen Nutzung keine systematische Verzerrung der Daten bewirkt.

Wer sind die Nutzer der einzelnen Fächer?

Jeder Nutzer wurde nach seiner Fachzugehörigkeit gefragt. Es wurde unterschieden nach Biologen (bio), Chemikern (che), Mathematikern (mat), Medizinern (med), Pharmazeuten (pha), Physikern (phy), Psychologen (psy) und "alle anderen Fächer bzw. Fachrichtungen" (ex).

Diagramm 2 zeigt die Fachzugehörigkeit der erfassten Nutzer an allen Standorten. Die Haupt­nutzer sind in allen sechs Fachrichtungen die Wissenschaftler. Die Studierenden nutzen offen­sichtlich während ihres Studiums nur selten die Zeitschriftenbestände der ULB.

Diagramm 6: Fachzugehörigkeit der Nutzer an allen Standorten

Welche Fachzeitschriften werden von wem genutzt?

Diagramm 3 gibt Aufschluß darüber, welche Fachzeitschriften von welcher Nutzergruppe benutzt wurden.

Diagramm 2: Verteilung der Nutzergruppen auf die Fachzeitschriften

In drei Fällen werden die Fachzeitschriften mit über 80 % von den Wissenschaftlern des je­weiligen Faches genutzt (Chemiezeitschriften 80 %, Mathematikzeitschriften 81 %, Physik­zeitschriften 87 %). Bei den Biologie- bzw. Psychologiezeitschriften liegt der Prozentsatz nur bei 74 bzw. 75 %. Die Phar­maziezeitschriften weisen die größte Vielfalt an unter­schied­lichen Benutzern auf. Hier wur­den die Zeitschriften zu 54 % von Pharmazeuten, zu 19 % von Externen, zu 17 % von Chemikern, zu 9 % von Biologen und zu 1 % von Medizi­nern ge­nutzt. Tabelle 4 gibt die prozentuale Verteilung auch für die anderen Fachzeitschriften wieder.

  Biologen Chemiker Mathematiker Mediziner Pharmazeuten Physiker Psychologen

bio-Zss.

74 %

2 %

0 %

13 %

8 %

0 %

1 %

che-Zss.

4 %

80 %

0 %

1 %

11 %

4 %

0 %

mat-Zss.

0 %

0 %

81 %

1 %

0 %

2 %

15 %

pha-Zss.

9 %

17 %

0 %

1 %

54 %

0 %

0 %

phy-Zss.

1 %

8 %

2 %

2 %

0 %

87 %

0 %

psy-Zss.

0 %

0 %

0 %

15 %

0 %

0 %

75 %

Tabelle 4: Verteilung der Nutzergruppen auf die Fachzeitschriften

Wie verteilen sich die Artikelkopien über die Jahrgänge?

Betrachtet man die Verteilung der Kopien über die Jahrgänge, stellt man wie erwartet die in­tensivste Nutzung bei den aktuelleren Jahrgängen fest. Aber auch aus den älteren Jahrgängen wurden Artikelkopien angefertigt (vgl. Diagramm 4).

Diagramm 3: Verteilung der Artikelkopien über die Jahrgänge (ab 1955) bzgl. aller Fächer

Bei der Verteilung über die Jahrgänge konnten jedoch stark fächerspezifische Unterschiede beobachtet werden. Tabelle 5 zeigt die unterschiedliche Verteilung in den einzelnen Fächern bezogen auf die Bestände ab 1970 bzw. ab 1980. Über 95 % der Kopien bezogen sich in fast allen Fächern auf Bestände ab 1970. Allein im Bereich der Chemie betrafen nur 80 % der Kopien die Bestände ab 1970. Betrachtet man die Bestände ab 1980, so entfallen in den Fä­chern Mathematik, Pharmazie bzw. Psychologie im Durchschnitt 94 %, in der Biologie bzw. Physik im Durchschnitt 85 % und in der Chemie nur 69 % der angefertigten Kopien auf die­sen Zeitraum.

Fach Zeitraum Kopien Kopien aus Beständen ab 1970 Kopien aus Beständen ab 1980
   

Anzahl

Anzahl

Anteil an Artikelkopien

Anzahl

Anteil an Artikelkopien

Biologie

1927–2003

395

379

96 %

339

86 %

Chemie

1914–2003

198

159

80 %

136

69 %

Mathematik

1975–2003

13

13

100 %

12

92 %

Pharmazie

1966–2003

47

46

98 %

45

96 %

Physik

1954–2003

25

24

96 %

21

84 %

Psychologie

1930–2003

276

266

96 %

256

93 %

alle Fächer

1914–2003

954

887

93 %

809

85 %

Tabelle 5: Fächerspezifische Verteilung der Artikelkopien der Bestände ab 1970 bzw. ab 1980

Was ergibt die Analyse der genutzten Zeitschriften?

In Tabelle 6 ist die fächerspezifische Verteilung der genutzten Titel zusammengefasst.

Fach Genutzte Titel Genutzte abo. Titel 1 mal genutzte Titel
 

Anzahl

Anzahl

Anteil*

Anzahl

Anteil*

Biologie

179

113

63 %

85

47 %

Chemie

97

51

53 %

52

54 %

Mathematik

168

148

88 %

45

27 %

Pharmazie

35

28

80 %

15

43 %

Physik

50

36

72 %

19

38 %

Psychologie

109

78

72 %

42

39 %

alle Fächer

638

454

71 %

258

40 %

*an den genutzten Titeln

Tabelle 6: Fächerspezifische Verteilung der genutzten Titel

Insgesamt wurden 638 Zeitschriftentitel genutzt. Von diesen sind 454 Titel aktuell abonniert. Das entspricht einem Anteil von 71 % aller genutzten Zeitschriften. Betrachtet man die ein­zelnen Fächer, weichen Chemie und Mathematik am stärksten von diesem Prozentwert ab. In der Chemie gehören 53 % und in der Mathematik 88 % der genutzten Zeitschrif­ten zum laufenden Bestand.

I.d.R. werden in den einzelnen Fächern um die 40 % der Titel während der gesamten Unter­suchung nur einmal genutzt. Eine Aus­nahme bilden hier die Fächer Chemie und Mathematik, bei denen 54 % bzw. 27 % der Zeitschriften nur einmal genutzt wurden.

Betrachtet man die Nutzung einzelner Titel, so wurde im Fach Biologie ein Titel mit der höchsten Nutzung von 66 erfasst, gefolgt von einem Titel aus der Chemie mit 36 Nutzungen. In den anderen Fächern lag die maximale Nutzung eines Titels zwischen 12 und 20.

In der folgenden Analyse werden nur die Zeitschriften eines jeden Faches be­rücksichtigt, die mehr als drei Nutzungen, d.h. im Durchschnitt mindestens eine Nutzung pro Woche, aufwei­sen. Diagramm 5 zeigt die genutzten Zeitschriften (abonnierte und bereits abbestellte bzw. ab­ge­schlossene) im Verhältnis zu den Zeitschriften mit einer Nutzung größer drei. Der Anteil liegt im Mittel bei 28,7 %. Der geringste Anteil mit 22 % findet sich bei den Chemiezeit­schriften. Im Bereich der Chemie ist also eine große Streuung über das gesamte Titelspektrum festzustel­len.

Diagramm 4: Verhältnis genutzte Zeitschriften und Zeitschriften mit einer Nutzung größer 3

Welche Abbestellungen wurden in den Fächern durchgeführt?

Die Zeitschriftennutzungsanalyse sollte die Wissenschaftler der Universität bei der Auswahl und Bestimmung eines "Zeit­schriftenkernbestandes" ihres jeweiligen Faches unterstützen. Die von den Professoren erstellten Rankinglisten wurden von den jeweiligen Fachreferenten mit den Ergebnissen der Nutzungsanalyse verglichen und in Einklang gebracht. Im Sommer 2003 wurde eine große Zahl von Zeitschriften, die zur Abbestellung vorgesehen waren, be­stimmt (vgl. erste Hälfte der Tabelle 7). Von den an den jeweiligen Standorten vorhandenen abonnierten 679 Zeitschriften wurden 183 abbestellt. Dies entspricht einem Prozentsatz von 27 %.

Fach abo. Zss. Abbestellte Zss. Genutzte abo. Zss. Genutzte abbest. Zss.

 

 

 

Anteil

 

Anzahl

Anteil

Biologie

212

64

30 %

113

26

23 %

Chemie

84

26

31 %

51

9

18 %

Mathematik

182

31

17 %

148

25

17 %

Pharmazie

51

4

8 %

28

2

7 %

Physik

59

32

54 %

36

13

36 %

Psychologie

91

26

29 %

78

18

23 %

Tabelle 7: Anzahl abbestellter Zeitschriften

Die zweite Hälfte der Tabelle 7 gibt die Anzahl der abbestellten Titel, die im Untersuchungs­zeitraum genutzt wurden, an. Im Mittel wurden 20 % der genutzten Titel abbestellt. Betrachtet man die genutzten abbestellten Titel genauer, so ergibt sich Diagramm 6.

Diagramm 5: Analyse der genutzten abbestellten Zeitschriftentitel

Gerade in den Fächern Biologie bzw. Mathematik, in denen eine große Zahl genutzter Titel abbestellt werden mussten, wurden nur 8 dieser Titel mehr als dreimal in vier Wochen genutzt. In der Biologie wurden sogar 14 Titel nur einmal genutzt.

Bei allen Abbestellungen wurden nicht nur die Rankinglisten der Professoren und die Ergeb­nisse der Nutzungsanalyse sondern auch die Kosten der einzelnen Zeitschriften­abonnements berücksichtigt. Für die Titel, die mehr als dreimal während des Unter­suchungszeitraumes benutzt wurden, wurde eine einfache Kosten/Nutzen-Rechnung durch­geführt. Hierfür wurde der Jahresabonnementpreis dieser Zeitschriften durch die Anzahl der Jahresnutzungen divi­diert. Unberücksichtigt blieben hierbei die in der Bibliothek zusätzlich anfallenden Kosten für Einband, Bearbeitung und Archivierung.

Tabelle 8 fasst die Kostenanalyse für die untersuchten Fächer zusammen:

Fach Anzahl abbest. Zss. (>3 mal genutzt) Gesamtkosten Jahresnutzungen Preis pro Nutzung

Biologie

7*

15.445 €

996

16 €

Chemie

2

12.527 €

108

116 €

Mathematik

8

27.998 €

720

39 €

Physik

3

10.138 €

252

40 €

Psychologie

5

11.322 €

456

25 €

*Es wurde eine Zeitschrift für die Berechnung weniger berücksichtigt, da die e-Version weiterhin zur Verfügung steht.

Tabelle 8: Kostenanalyse

Für die in der Kostenanalyse berücksichtigten Zeitschriften ergibt sich ein durchschnittlicher Preis pro Nutzung von 47 €. Es zeigt sich also, dass eine Abbestellung dieser Titel, obwohl diese mehr als einmal pro Woche genutzt wurden, durchaus sinnvoll war, da diese Nutzungs­fälle kostengünstiger durch eine Inanspruchnahme der Fernleihe oder anderer Dokumentlie­ferdienste wie SUBITO würden.

4. Zusammenfassung

Durch die differenzierte Datenerhebung konnten in Düsseldorf zahlreiche nützliche Infor­mationen über die Präsenznutzung der Zeitschriftenbestände gewonnen werden.

  • Die Hauptnutzungszeiten der Zeitschriftenbestände lag in allen drei Fachbibliotheken am Nach­mittag zwischen 13–16 Uhr.

  • Die Nutzungsarten (Kopieren, Lesen, Durchblättern etc.) sind je nach Fach unter­schied­lich stark ausgeprägt. Im Fach Psychologie ist der Anteil des Kopierens als Nutzungsart mit 80 % am höchsten.

  • Die Wissenschaftler sind in allen sechs Fächern die Hauptnutzer der Zeitschriften­be­stände der ULB.

  • In den meisten Fächern nutzten die Wissenschaftler die Zeitschriften ihres Faches mit über 80 %.

  • Die erfassten Artikelkopien erstrecken sich über eine große zeitliche Spanne. Am häu­figsten werden die Artikel aus den Zeitschriftenbeständen ab 1970 kopiert. Aber vor allem in der Chemie ist das Interesse an Altbeständen zurück bis 1914 groß.

  • In allen Fächern ist das genutzte Titelspektrum sehr breit gefächert. Im Durchschnitt wer­den 41 % der Zeitschriften nur einmal während der Evaluierung genutzt.

  • Von den genutzten Zeitschriften wurden im Mittel 20 % abbestellt. Eine Kostenanalyse der abbestellten Zeitschriften mit mehr als drei Nutzungen, ergab einen Durchschnittspreis pro Nutzung von 47 €.

1 STM = Science, technique, medicine

2 Tappenbeck, Inka: Zeitschriften-Nutzungsanalysen als Instrument des Qualitätsmanagements. In : Bibliothek in Forschung und Praxis 25 (2001) 3, S. 317 339

3 Schramm, Caroline: Präsenznutzung von Zeitschriften. Die Methode der Kopienerfassung. In: Bibliotheksdienst 36 (2002) 5, S. 584–589

4 Makoski, Roman: Zeitschriftennutzungsanalysen. In: Controlling und Marketing in Wissenschaftlichen Bibliotheken (COMBI). Hrsg. von Elisabeth Niggemann. Bd. 1, Berlin 1998, S. 171–175

5 Das wissenschaftliche Personal der einzelnen Fachbereiche verfügt i.d.R. über einen eigenen Schlüssel zu der jeweiligen Fachbibliothek und kann den Bestand somit rund um die Uhr nutzen.

6 Für die Fächer Biologie, Chemie und Pharmazie wurden die Daten jeweils 20 Tage erhoben. Durch einen Feiertag in der letzten Untersuchungswoche entfallen auf die Fächer Mathematik, Physik und Psychologie jeweils 19 Erhebungstage.

Redaktion: Heinz-Peter Berg       Stand: 24.11.2008, 09:32
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