Kurzbeschreibung der Projektinhalte
Klaus Lepsky
Projektziele
Ziel des Projekts ist die Erweiterung konventioneller bibliothekarischer Titeldaten um zusätzliche inhaltsrelevante Informationen und deren automatische Erschließung. Die so erreichte umfassende verbale und klassifikatorische Erschließung der Dokumente schafft die Basis für den Einsatz fortgeschrittener Navigations- und Suchverfahren auf der Retrievalseite.
Zur Realisierung sollen - exemplarisch für das Fachgebiet Jura - Titelaufnahmen durch den Einsatz von Scanningverfahren um die Inhalte von Abstracts, Inhaltsverzeichnissen und/oder Sachregistern angereichert werden. Darüber hinaus werden verfügbare elektronische Volltexte in die Datenbasis übernommen. Erweiterte Titelaufnahmen und elektronische Volltexte werden automatisch indexiert und im Rahmen einer erweiterten maschinellen Indexierung automatisch klassifiziert (sog. Themen-Aspekt-Identifizierung).
Der im Projekt erstellte Datenbestand wird über ein konzeptorientiertes Information-Retrieval-System verfügbar gemacht. Auf dieser Basis wird im Rahmen der Projektevaluierung ein Retrievaltest durchgeführt. Darüber hinaus ist eine Übernahme der Daten in das nordrhein-westfälische IBIS-System vorgesehen, das ein Retrieval über das World Wide Web ermöglicht.
Zur Umsetzung des Vorhabens ist eine Zusammenarbeit mit der Juristischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, mit der Fachhochschule Köln, Fachbereich Bibliotheks- und Informationswesen, mit der Fachrichtung Informationswissenschaft an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken, sowie mit der Universitätsbibliothek Bielefeld vorgesehen. Die Projektlaufzeit beträgt 18 Monate.
Ausgangslage
Die zunehmende Verbreitung von Online-Katalogen und die dadurch deutlich verbesserte Verfügbarkeit bibliographischer Informationen stehen in immer größerem Kontrast zur Qualität der von den Bibliotheken gelieferten Titeldaten. Während moderne Informationssysteme sich zunehmend am Volltext, zumindest aber an reichhaltig erschlossenen Dokumenten orientieren, pflegen Bibliotheken weiterhin die zwar präzise, unter dem Retrievalaspekt jedoch zu informationsarme konventionelle Titelaufnahme. Die daraus resultierenden Schwierigkeiten für die Literatursuche in OPACs sind seit langem bekannt und gut dokumentiert. In der Praxis werden deshalb heute Titel in Online-Katalogen gefunden, weil mit Varianten der Freitextsuche auf klassische Katalogkategorien zugegriffen wird. Belohnt wird der Benutzer für seine Mühe mit der mehr oder weniger aufschlußreichen Darstellung einer konventionellen Titelaufnahme am Bildschirm - einer Art elektronischer Katalogkarte.
Darüber hinaus begeben sich Online-Kataloge durch ihre Beschränkung auf den rein referentiellen Charakter zunehmend in eine Isolation hinsichtlich einer elektronischen Informationslandschaft, in der die Integration unterschiedlicher Informationstypen und deren Verfügbarkeit über fortschrittliche Suchmaschinen im Internet längst zum Standard geworden sind. Beides, die Titelbeschreibung und -erschließung als Basis für das Retrieval wie auch die Titelbeschreibung als Basis für die Bewertung eines Suchergebnisses, sind im Prinzip unzulängliche Mittel für die im Information-Retrieval angestrebten Zwecke. Der Einsatz fortschrittlicher Information-Retrieval-Systeme an Bibliotheken führt daher zunächst über die Veränderung und die Erweiterung der Dokumentbeschreibung.
Vorarbeiten
In inzwischen drei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekten wurden an der Universitäts- und Landesbibliothek unterschiedliche Aspekte des Themas Online-Katalog untersucht und durch neue Entwicklungen vorangetrieben. Aufbauend auf den Ergebnissen des ersten Projekts zur Entwicklung eines benutzerfreundlichen Online-Publikumskatalogs (1987-1989) mit dem Schwerpunkt auf der Gestaltung der Benutzeroberfläche, wird seit 1993 in den Projekten MILOS I und II ein Verfahren zur automatischen Indexierung für Bibliotheken entwickelt. Die Ergebnisse von MILOS I haben bereits zu einem Produktpaket MILOS geführt, das die Funktionalität der automatischen Indexierung für die drei Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch für Nachnutzer verfügbar macht. MILOS II erweitert die Funktionalität von MILOS um eine semantische Komponente und ermöglicht dadurch die Bereitstellung umfassender terminologischer Informationen (elektronischer Thesaurus) für das Retrieval.
Darüber hinaus ist die Universitäts- und Landesbibliothek als Partner im EU-Projekt CANAL/LS beteiligt, mit dem die Realisierung einer automatischen Übersetzungsfunktion für OPACs angestrebt wird. Die im Rahmen von CANAL/LS entwickelten Funktionalitäten basieren auf dem MILOS-Indexierungssystem und erweitern dieses dadurch um wichtige Bereiche, wie etwa den direkten Wörterbuchzugriff im Retrieval. Die im Rahmen von MILOS I und II sowie CANAL/LS gewonnenen Erkenntnisse und die bislang entwickelten und bereits im Routineeinsatz befindlichen Programmkomponenten leisten wichtige Vorarbeiten für die Neukonzeption und Realisierung eines umfassenden bibliothekarischen Informationssystems.
Letzte inhaltliche Änderung: 26. Oktober 1998
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