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II. Druckwerke des Spätmittelalters, des Humanismus und der Reformationszeit

40. Klassiker frühneuzeitlicher Bergbauwissenschaft

T. W. 3
Agricola, Georg: (De re metallica, dt.) Berckwerck Buch: Darinn nicht allain alle Empter, Instrument, Gezeug, und alles, so zu diesem Handel gehörig mit Figuren vorgebildet und klärlich beschriben, sondern auch wie ein rechtverstendiger Berckmann seyn sol und die Gäng außzurichten seyen. Frankfurt a.M. 1580. 4° [Abkürzungsverz.]

Buchpate Nr. 40

Es handelt sich um die zweite deutschsprachige Ausgabe von Georg Agricolas Hauptwerk. Sie ist mit 273 teilweise ganzseitigen Holzschnitten von H.R. Manuel Deutsch und Basilius Wehring (auch Welfing) illustriert.

Georg Agricola wurde am 24. März 1494 in Glauchau geboren. 1514 bis 1517 studierte er an der Leipziger Artistenfakultät und zeigte in dieser Zeit starke theologische Interessen, die er wahrscheinlich, ohne je eigentlich Theologe zu werden, ein Leben lang beibehielt. Von 1523 bis 1526 studierte er, nachdem er vorher Rektor der Schule in Zeitz und Lektor an der Leipziger Universität gewesen war, in Italien. Er besuchte mit Sicherheit die Universität von Bologna, mit großer Wahrscheinlichkeit die von Padua. In Venedig war er an der Herausgabe der Werke Galens (1525) durch die Offizinen des Manutius und des Asulanus zumindest indirekt beteiligt. Seit 1527 war Agricola Stadtarzt in Joachimsthal, damals Mittelpunkt eines sehr bedeutenden Silberbergbaugebiets. Hier wurde der Humanist und Arzt zum Mineralogen und in gewisser Weise praktisch zu einem vorzeitigen "Bergbauingenieur". 1530 gab er sein Amt als Stadtarzt auf. Allerdings war er seit 1533 in Chemnitz wieder als Arzt tätig, und zwar vielleicht bis zu seinem Tode am 21. November 1555. In Chemnitz, wo Agricola viermal (1546, 1547, 1551 u. 1553) Bürgermeister war, machten ihn seine Forschungen überdies zum Historiker. Er arbeitete dort über die Geschichte des wettinischen Fürstenhauses. Während der Periode des sich damals erst ausbildenden Konfessionsbewußtseins hielt Agricola im frühprotestantischen Sachsen zeit seines Lebens am katholischen Standpunkt fest. Eine Anekdote behauptet, ein bei einem heftigen Religionsdisput erlittener Schlaganfall habe seinen Tod herbeigeführt.

Obwohl Agricola nur wenige Jahre seines Lebens überwiegend (sozusagen hauptamtlich) mit Fragen des Bergbaus beschäftigt war, ist er vor allem durch sein zuerst 1556 - also posthum - in Basel erschienenes Werk "De re metallica" zum Vater der Montanwissenschaften geworden. Die jahrtausendelange Zeit des Bergbaus vor Erscheinen dieses Buches kann ohne Übertreibung als eine Epoche der reinen Praxis charakterisiert werden. Agricola hat eigentlich als erster die Mineralien in einem auch modernen Verständnis klassifiziert. Antike und Mittelalter hatten nur bestimmte Mineralien (z.B. "Edelsteine") wirklich beachtet, deren Klassifikation aber fast ausschließlich mit spekulativer Symbolik oder angeblicher und wirklicher medizinischer Wirkung verbunden. Noch bedeutsamer als durch seine eigentlich mineralische Betrachtungsweise ist Agricolas Werk durch seine Ansätze zur Lagerstättenkunde. Hier liegen die Hauptwurzeln der geologischen Wissenschaft späterer Jahrhunderte. Schließlich zeichnete sich das Buch außerdem durch seine umfangreichen technologischen Ausführungen aus, die den Frühformen der Ingenieurwissenschaften in der europäischen Renaissance zuzuordnen sind.


Notwendige Restaurierung:

Zerlegen der desolaten Bindung. Umfangreiche Trockenreinigung und Naßreinigung mit anschließender Pufferung des Papiers aufgrund starker Wasserränder und partieller brandschäden. Japanpapierergänzung und Stabilisierung des Papiers insbesondere an den brandgeschädigten Fehlstellen. Neuheftung auf Lederbünde.


Buchpatenschaft wurde übernommen und Restaurierung ist abgeschlossen.


Weitere Auskünfte erteilen:

Marcus Vaillant, Email senden
0211 - 81-13523

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Redaktion: Heinz-Peter Berg       Stand: 24.11.2008, 09:32
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