Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
Elektronische Zeitschriften
in der überregionalen Literaturversorgung
Teilprojekt ACCELERATE
Abschlussbericht
Inhalt
II. Vorbereitung und Durchführung
Anhang 1: Entwicklung des Auswertungsalgorithmus'
Anhang 2: Die Session-Analyse
Anhang 3: Angebot elektronischer Zeitschriften an der ULB Düsseldorf
Anhang 4: Vergleichende Nutzungsuntersuchung von Print- und el. Version
Anhang 5: Nutzung an der ULB Düsseldorf
Anhang 6: Nutzungsbreite des untersuchten Zeitschriftenpaketes
Anhang 7: Nutzungsbreite einzelner Titel
Anhang 8: Rechnerbezogene Nutzungsverteilung
Anhang 9: Nutzung elektronischer Zeitschriften in versch. Wissenschaftsgebieten
Anhang 10: Nutzungsanteile verschiedener Jahrgänge
Anhang 11: Nutzung auf Artikelebene
Anhang 12: Cross- und Additional Access
Anhang 13: Konsortialnutzung
Anhang 14: Grund- und Spitzenversorgung
Das Projekt ACCELERATE (ACCess to ELEctronic liteRATurE) wurde im Zeitraum vom 01.04.1998 bis 12.07.2000 an der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf durchgeführt. Es war Teil des übergeordneten Projektes EZUL (Elektronische Zeitschriften in der überregionalen Literaturversorgung), das zum Ziel hatte, Konzepte und Modelle zur Einbindung elektronischer Zeitschriften in die überregionale Literaturversorgung zu entwickeln. Die beiden Projektpartner (Bayerische Staatsbibliothek München und Technische Informationsbibliothek Hannover) befassten sich aus Sicht einer Sondersammelgebietsbibliothek bzw. einer Zentralen Fachbibliothek mit diesem Thema. Das Teilprojekt ACCELERATE dagegen nahm die Perspektive einer Universitätsbibliothek als deren Kunde ein.
Ziel des Düsseldorfer Projektteils war die Untersuchung des Angebots elektronischer Zeitschriften hinsichtlich Akzeptanz, Bereitstellung, Nutzung und Zugriffsformen an einer Universitätsbibliothek als Beitrag zum Entwurf eines Kosten- und Fördermodells zur Integration und Mitfinanzierung elektronischer Zeitschriften durch die DFG im Rahmen der überregionalen Literaturversorgung des SSG-Programms.
II. Vorbereitung und Durchführung
Das Projekt lässt sich grob in drei Phasen untergliedern. Um überhaupt Nutzung und Akzeptanz untersuchen zu können, bedurfte es zunächst eines repräsentativen und konsistenten Angebotes an elektronischen Volltextzeitschriften mit einer entsprechend funktionellen Präsentation. Durch die Mitgliedschaft in mehreren nordrhein-westfälischen Konsortien und durch eigene Vertragsabschlüsse konnte die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf schon zu Beginn des Projektes über 2700 elektronische Zeitschriften anbieten. Das Angebot wurde ständig erweitert und bei Projektende konnten unsere Nutzer auf über 3700 Zeitschriften elektronisch zugreifen.
Für eine nutzergerechte Präsentation wurden eigene Internetseiten erstellt und in die bewährte Struktur des Düsseldorfer Internetangebotes integriert.
Im zweiten Schritt musste das geschaffene Angebot durch Werbemaßnahmen in der Universität bekannt gemacht werden. Durch verschiedenste Werbemaßnahmen, wie Faltblätter, einen elektronischen Newsletter, Infostand im Foyer, Auslage von Notizzetteln mit entsprechendem Hinweis, Wandplakate, Hinweise an Zeitschriftenauslagen, interne und externe Schulungsangebote, die Einrichtung eines telefonischen Service-Centers u.a.m. wurde auf die neue Dienstleistung aufmerksam gemacht. Ständig steigende Nutzungszahlen bestätigten den Erfolg der Werbemaßnahmen und schufen die nötige Voraussetzung zur Erstellung aussagefähiger Nutzungsstatistiken.
Gleichzeitig wurden Methoden zur Analyse der Nutzung entwickelt. Aus den Zugriffsprotokollen der Server (LogFiles) musste ein Auswertungsalgorithmus entwickelt werden, der aus den für eine statistische Analyse unbrauchbaren Protokollen die Daten so aufbereitet, dass die Nutzung auf Titel- und Artikelebene herausgefiltert und mit gängigen Datenbank- und Statistikprogrammen ausgewertet werden konnte.
Die dritte Phase war durch die Auswertung der erhaltenen Nutzungsdaten und den Vergleich mit alternativen Modellen der Literaturbeschaffung gekennzeichnet. Ein Vergleich der elektronischen Nutzung mit derzeit noch parallel vorhandenen Print-Ausgaben sowie Kosten-/Nutzen-Vergleiche spielten dabei ebenso eine Rolle wie Überlegungen zum Projekt-PEAK der Universität Michigan und des Verlages Elsevier (s. Vorträge und Veröffentlichungen). Außerdem wurde die zentrale Fragestellung nach der Definition von Grund- und Spitzenversorgung bei elektronischen Zeitschriften intensiv diskutiert und daraus ein pay-per-view-Modell zur Einbindung elektronischer Zeitschriften in die überregionale Literaturversorgung vorgeschlagen (siehe Seite 8).
Die Frage nach der Akzeptanz ist vielschichtig. Akzeptanz setzt zunächst einmal Kenntnis des Angebotes bei der jeweiligen Nutzergruppe voraus. Zu Beginn des Projektes wurde daher durch verschiedene Werbemaßnahmen intensiv daran gearbeitet, den Bekanntheitsgrad des elektronischen Zeitschriftenangebotes bei der Zielgruppe (Mitarbeiter und Studierende der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) zu verbessern und elektronische Zeitschriften als neues Dienstleistungsprodukt der ULB Düsseldorf innerhalb der Universität zu etablieren. Stetig steigende Gesamtnutzungszahlen in dieser Phase dokumentierten den Erfolg dieser Werbemaßnahmen. Detailliertere Untersuchungen der Nutzung zeigten später dann aber große Nutzungsunterschiede in den einzelnen Wissenschaftsdisziplinen, was zum großen Teil sicher durch die stark STM-dominierte Angebotsstruktur bedingt war. So lagen die Fachbereiche Medizin, Biologie und Chemie deutlich an der Spitze. Darüber hinaus war aber auch zu beobachten, dass vermutlich infrastrukturelle Gegebenheiten das Nutzungsverhalten stark beeinflussen. So fiel auf, dass Institute mit einer großen räumlichen Nähe zum Printbestand in der Nutzung der elektronischen Zeitschriften unverhältnismäßig zurücklagen, während z.B. die stark dislozierte medizinische Fakultät einen hohen Nutzungsgrad verzeichnete, der nicht allein durch die überdurchschnittliche Titelanzahl zu erklären war.
Im Projektantrag noch erwartete technische Einflüsse auf die Akzeptanz wurden durch die fortschreitende Internettechnik gegenstandslos. Akzeptable Zugriffsgeschwindigkeiten, auch von fernen Servern, machen eine lokale Datenhaltung nicht mehr notwendig. Allgemein über das Internet verfügbare Reader ermöglichen die Nutzung aller angebotenen Datenformate. Erwartungsgemäß wurde das derzeit gängigste Format für Volltexte, das pdf-Format, mit 83% aller Volltextzugriffe am meisten verwendet.
Ein Manko war zu Beginn des Projektes allerdings die mangelnde Aktualität des Angebotes mit Verzögerungszeiten der elektronischen Version von bis zu 3 Monaten gegenüber der Printausgabe. Ein Umstand, der besonders Erstnutzer für die weitere Nutzung negativ beeinflusst haben dürfte. Spätere Untersuchungen zeigten jedoch, dass die Aktualität der angebotenen elektronischen Zeitschriften für die Akzeptanz nur untergeordnete Bedeutung haben dürfte (solange sie nicht deutlich über 3 Monate steigt), denn mit 34% bzw. 44% liegen die Hefte des Vorjahres in der Nutzung deutlich an der Spitze, während Ausgaben des aktuellen Jahrgangs, insbesondere in den Geisteswissenschaften deutlich weniger nachgefragt sind. Sicher ein Hinweis darauf, dass Zeitschriftenliteratur häufig gezielt mit einem konkreten Literaturhinweis genutzt wird (der erst einmal veröffentlicht sein muss).
Bei der Untersuchung der Nutzung von elektronischen Zeitschriften ist stets zu fragen, in welchem Umfang die entsprechenden Print-Versionen parallel vorhanden sind. Da bislang noch kaum eine renommierte Zeitschrift ausschließlich online angeboten wird und auch Bibliotheken den Schritt zum reinen Online-Angebot nur selten vollzogen haben, wird das Nutzerverhalten elektronischen Zeitschriften gegenüber quasi immer durch parallele Print-Abonnements beeinflusst. Im Projekt sind beide Medienformen hinsichtlich des Nutzerverhaltens miteinander verglichen worden. In einem Zeitraum von sechs Wochen wurde die Nutzung aller 152 vorhandenen parallelen Print-Titel der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät ermittelt, mit Hilfe statistischer Methoden auf ein Jahr hochgerechnet und mit den Nutzungszahlen im elektronischen Bereich verglichen. Dabei konnte letztlich keine generelle Korrelation zwischen den Nutzungswerten der beiden verschiedenen Medienformen festgestellt werden. Alle Nutzungsverteilungen waren vertreten: Bei beiden Medienformen hohe wie niedrige Nutzung eines Titels, hohe Nutzung der elektronischen Version bei gleichzeitig schwacher Nutzung des parallelen Print-Titels - aber auch umgekehrt.
Als Fazit dieser flankierenden Untersuchung muss daher konstatiert werden, dass das Nutzerverhalten von weit mehr Faktoren beeinflusst wird, als vom reinen Interesse an einem Titel (infrastrukturelle Gegebenheiten, Aufgeschlossenheiten der Institutsmitarbeiter dem neuen Medium gegenüber, Verfügbarkeit der parallelen Print-Publikation u.a.). Eine quantifizierende Wertung dieser Faktoren ist verständlicherweise nicht möglich. Ebenso kann aufgrund der fehlenden Titel-Parität keine grundsätzliche Aussage zur unterschiedlichen Nutzung elektronischer Zeitschriften zwischen Geistes- und Naturwissenschaftlern gemacht werden.
Von besonderem Interesse bei derartigen Nutzungsuntersuchungen ist die Nutzungsverteilung auf die einzelnen Titel. Die Nutzungszahlen 1999 der ULB Düsseldorf, aber auch aller anderen sieben Konsortialbibliotheken zeigen, dass der Großteil des untersuchten Zeitschriftenpaketes (1275 Titel) verhältnismäßig wenig genutzt wurde.

Bild 1: Nutzungsverteilung über das Gesamtangebot von 1275 Zeitschriftentiteln
So wurden 19% aller Titel nicht ein einziges Mal aufgerufen und bei weiteren 68% lag die Nutzung unter 50 Volltextaufrufen pro Jahr, wobei der Großteil auch hier im Bereich zwischen 1 und 9 Nutzungen zu finden ist. Betrachtet man (durchschnittlich) 1 Nutzung pro Arbeitstag als gut, würden nur 17 Titel (1,3%) diesem Kriterium entsprechen.
Ein Blick auf das Gesamtkonsortium aller acht nordrhein-westfälischen Universitätsbibliotheken bestätigt den hohen Anteil der wenig genutzten Titel: Bei 65,5% lag selbst die konsortiale Gesamtnutzung unter 100 Volltextzugriffen pro Jahr. Dem stehen nur 138 Titel (10,8%) mit einer das o.a. Kriterium erfüllenden Quote von durchschnittlich 1 Nutzung pro Arbeitstag (>300 pro Jahr) gegenüber. 34 Titel wurden gar nicht genutzt.
Nutzungsuntersuchungen sprechen in der Regel von einer anonymen Nutzerschaft. Doch gerade unter dem Aspekt der Rentabilität von Zeitschriftenabonnements kommt der Frage "von wievielen verschiedenen Nutzern wird das Angebot genutzt?" eine wichtige Bedeutung zu. Dabei ist die eigentliche Identität des Nutzers unerheblich, wichtiger ist die Nutzungsbreite innerhalb der Universität. Im Rahmen des Projektes wurde daher untersucht, von wieviel verschiedenen Nutzern die meist frequentierten Titel aufgerufen wurden und wie regelmäßig dieser Titel von diesen Nutzern gelesen wird.
Angesichts der Tatsache, dass von der Wissenschaftsseite immer wieder die Wichtigkeit auch weniger bekannter Zeitschriften betont wird, überrascht das Projektergebnis doch ein wenig. Alle Spitzentitel wurden von ca. 60 verschiedenen IP/URL genutzt (wobei davon ausgegangen wird, dass sich hinter jeder IP/URL eine andere Person verbirgt). Ca. zwei Drittel sind allerdings nur mit einer einzigen Nutzung vermerkt; ein Indiz dafür, dass die Nutzung vermutlich zufällig durch ein Retrievalergebnis zustande kam, also nicht gezielt der Zeitschriftentitel von Interesse war. Lediglich drei bis vier IP/URL ist eine mehr oder weniger regelmäßige Nutzung des Titels zu attestieren.
Obwohl die gemessenen Nutzungswerte, bezogen auf das Gesamtpaket, schon als gering bezeichnet werden müssen, dürfte der Schluss, dass die Projektergebnisse quantitativ auf kostenpflichtige Angebote zu übertragen sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch sein, auch wenn man für einen Volltext nur einen geringen Obulus verlangen würde. Die Ergebnisse sind nur in dem Umfeld gültig, in dem die Messungen stattgefunden haben, und das war in diesem Fall durch absolute Kostenfreiheit gekennzeichnet. Es ist davon auszugehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der gemessenen Nutzungen eben auf diese Kostenfreiheit zurückzuführen ist, dieser Umstand also Nutzung quasi "erzeugt" hat. Explizite Nutzungsuntersuchungen an kostenpflichtigen Angeboten konnten im Projekt nicht durchgeführt werden, da weder von Seiten der beiden Partnerbibliotheken noch über die Digitale Bibliothek NRW während des Projektzeitraumes derartige Angebote offeriert wurden.
Die in diesem Zusammenhang interessante Differenzierung der Nutzung nach primärem (Mitglieder der Universität) und sekundärem (örtliche Wirtschaft) Nutzungskreis konnte nicht erfolgen, da beim heutigen Stand der Internet-Technik die Herkunft einer Nutzungsanfrage nicht eindeutig zu ermitteln ist. Darüber hinaus sichern sich die Verlage vertraglich gegen Zugriffe von außerhalb des Campus´ ab, sodass eine sekundäre Nutzerschaft momentan ohnehin keine Zugriffsmöglichkeit hat.
Grund- und Spitzenversorgung / Fördermodell
Kern des übergeordneten Projektes EZUL war die Entwicklung eines Fördermodells zur Integration elektronischer Zeitschriften in das Programm der überregionalen Literaturversorgung. Gemäß den Förderrichtlinien der DFG soll auch bei dieser neuen Medienform nur die Spitzenversorgung gefördert werden, sodass die Frage zu beantworten war, wie sich Spitzenbedarf in diesem Kontext eigentlich definiert. Im Printbereich gelten solche Titel als Spitzenbedarf, die nur in wenigen Bibliotheken physisch gehalten werden. Dieses Medium bringt es mit sich, dass eine SSG-Bibliothek mit einem (geförderten) Abonnement beliebig viele Dokumentlieferwünsche bedienen kann, ohne dass die Kosten steigen. Der Nutzungsgrad ist also unerheblich. Anders bei elektronischen Zeitschriften: Verlage lassen sich jede Nutzung (Zugriff auf einen einzelnen Artikel) gesondert vergüten, sodass bei diesem Medium eine Definition von Spitzenbedarf eng mit dem Nutzungsaspekt verknüpft ist, eine Untersuchung also von der Nutzungsseite her erfolgen muss. Als Untersuchungsobjekt bot sich ein aus acht nordrhein-westfälischen Universitätsbibliotheken bestehendes Konsortium an, weil die schwache Nutzung eines Titels an einer einzigen Universität zunächst nur als lokales Phänomen zu sehen ist und noch nichts über eine generelle Klassifizierung als Spitzenbedarfstitel aussagt, während eine schwache Nutzung im Gesamtkonsortium aber schon eher ein Indiz in diese Richtung ist. Die Untersuchung der wenig genutzten Titel im Gesamtkonsortium sollte daher zeigen, wie hoch in etwa der Anteil ist, der zum Spitzenbedarf gezählt werden muss, vom Prinzip her also förderungswürdig ist.

Bild 2: Untersuchung des Spitzenbedarfs im Konsortium
Der absolute Spitzenbedarf muss sicher in den Titeln gesehen werden, die im Beobachtungszeitraum von allen Bibliotheken überhaupt nicht genutzt wurden. Dabei handelt es sich um 3% des Gesamtangebotes. Aber auch Nutzungszahlen im Bereich bis 20 oder 30 Nutzungen pro Jahr sind noch so gering, dass man diese Titel sicher nicht zum allgemeinen Grundbedarf (allenfalls zu einem lokalen Grundbedarf) rechnen kann. Das würde aber bedeuten, dass 26% bzw. 35% aller Titel zum Spitzenbedarf gezählt werden müssten - Werte, die für ein Fördermodell im Rahmen der überregionalen Literaturversorgung inakzeptabel hoch sind. Aufgrund der lokalen Spezifika jeder Universität lassen sich ohnehin keine allgemein gültigen Positivlisten mit Titeln des Spitzenbedarfes erstellen, sodass der Versuch einer analytischen Definition des Spitzenbedarfes nicht zum Erfolg führt. Bei der Entwicklung eines Fördermodells müßten empirisch ermittelte Nutzungen als Kriterium für eine Förderung im Rahmen der überregionalen Literaturversorgung herangezogen werden, will man dem Gedanken der Spitzenbedarfsförderung weiterhin Rechnung tragen.
Ein Ausweg bei der Entwicklung eines Fördermodells könnte aber darin liegen, empirisch ermittelte Nutzungen als Kriterium für eine Förderung im Rahmen der überregionalen Literaturversorgung heranzuziehen. Nach diesem Modell würde eine SSG-Bibliothek mit Verlagen Verträge über das bundesweite Angebot von elektronischen Zeitschriften in Form eines pay-per-view-Verfahrens abschließen und diese neue Dienstleistung anbieten. Die Finanzierung wird, wie bisher auch, von der SSG-Bibliothek und der DFG gemeinsam getragen. Allerdings würden durch die DFG nur solche Titel bzw. Nutzungen (pay-per-view-Zugriffe) gefördert, bei denen eine bestimmte Anzahl pro Jahr nicht überschritten wird. Alle anderen Titel würden als Grundbedarf angesehen und von der jeweiligen SSG-Bibliothek allein finanziert. Diese Form der Förderung ist flexibel, weil sich die förderungswürdigen Titel, in jedem Jahr neu, automatisch an der aktuellen Nutzung orientieren, kommt damit dem Ziel, nur den Spitzenbedarf zu unterstützen sehr nahe und ermöglicht außerdem eine kalkulierbare Kostenbasis für die DFG.
Die zu Beginn des Projektes eher als nebensächlich betrachtete Frage, wie eine Universitätsbibliothek an statistische Daten über Direktnutzung und –zahlung gelangt, entwickelte sich schon kurz nach Projektstart zum Kernproblem. Ursprünglich als Datenbasis gedachte Nutzungsstatistiken der Verlage waren, wenn überhaupt verfügbar, bei weitem nicht aussagefähig genug. Es gab keine Erhebungen auf Titelebene, sondern nur pauschale, monatliche Zugriffszahlen auf das Gesamtangebot und auch keinerlei Informationen über die Nutzerschaft. Um das Projekt überhaupt durchführen zu können, mussten daher eigene Auswertungsmethoden entwickelt und programmiert werden. Datengrundlage blieben aber sogenannte "LogFiles", in denen sämtliche Zugriffe auf das elektronische Zeitschriftenangebot protokolliert werden. Diese sind grundsätzlich im Besitz desjenigen, der auch physisch die Inhaltsdaten vorhält. In den meisten Fällen sind dies Verlage oder Agenturen und es zeigte sich, dass von deren Seite kein Interesse an einer Weitergabe dieser Rohdaten bestand. So konnte im Projekt nur auf Nutzungsdaten des Elsevier-Verlages zurückgegriffen werden, da dessen elektronische Zeitschriften auf eigenen Servern eines nordrhein-westfälischen Konsortiums angeboten wurden und somit auch die LogFiles verfügbar waren.
Schon der erste im Projekt entwickelte Auswertungsalgorithmus offenbarte eine erhebliche Diskrepanz zu den offiziell von Elsevier erstellten Statistiken. So zeigte sich ein unterschiedliches Verständnis dessen, welche LogFile-Einträge als Nutzung überhaupt gezählt werden sollten und die Definition einer Nutzung wurde zum zentralen Begriff für alle weiteren Untersuchungen. Ferner wurde schnell deutlich, dass, um eine Vergleichbarkeit der Nutzung elektronischer Zeitschriften zu anderen Dokumentlieferformen zu erreichen, die Grundlage eines Auswertungsalgorithmus' die einzelne Session sein muss. Die ACCELERATE-Methode wurde daher in diese Richtung weiterentwickelt mit dem Ergebnis, dass die ermittelten Nutzungszahlen jetzt zwar zum ersten Mal realitätsnah waren, gleichzeitig aber auch stark sanken. Aufgrund der ACCELERATE-Untersuchungen korrigierte Elsevier seinen Auswertungsalgorithmus in einigen Punkten, ohne allerdings die ACCELERATE-Philosophie vollständig zu übernehmen. So blieben beide Statistiken divergent.
Durch diese zweite Weiterentwicklung des Auswertungsalgorithmus' wurde ein Phänomen sichtbar, dass sowohl für Elsevier wie auch für den Springer-Verlag bis dato unbekannt war: nämlich redundante Mehrfacheinträge in den LogFiles, deren Herkunft auch durch intensive Untersuchungen des Springer-Verlages nicht mit Sicherheit geklärt werden konnte. Springer zog daraus den Schluss, dass beim heutigen Stand der Internettechnik zuverlässige Abrechnungssysteme auf der Basis ausschließlich IP-basierter Zugangssysteme nicht möglich sind. Nutzungsstatistiken von elektronischen Zeitschriftenangeboten, die mit der Struktur der Angebote von Elsevier und Springer vergleichbar sind, liegen bei Nichtberücksichtigung dieses Phänomens somit um ca. 30% zu hoch. Der letzte Entwicklungsschritt des ACCELERATE-Algorithmus berücksichtigte auch dieses Phänomen.
Mit diesem Algorithmus wurden dann die in 1999 gesammelten LogFiles ausgewertet. Die so ermittelten Zahlen bildeten die Grundlage für alle Projektergebnisse, insbesondere auch für die Kernfrage, ob und ggf. wie sich Grund- und Spitzenversorgung bei elektronischen Zeitschriften definieren lassen.
Nach Projektende wurde bekannt, dass der Springer-Verlag seine Statistiken über die Nutzung elektronischer Zeitschriften ebenfalls auf die im Prokjekt entwickelte Technik der Sessionanalyse umstellen will.
Als Schlussfolgerung aus den vielfältigen Analysen des ACCELERATE-Projektes steht die Erkenntnis, dass Vertragsverhandlungen über einen Konsortialbezug von elektronischen Zeitschriften Nutzungsuntersuchungen als Grundlage haben müssen, um einen optimierten Bestand an Zeitschriften anbieten zu können. Es ist nicht sinnvoll, Gesamtpakete von elektronischen Zeitschriften eines Verlages zu entsprechend hohen Kosten zu beziehen, da der von den Verlagen propagierte Vorteil des Cross- und Additional Access kleiner ist als vielfach angenommen. Effizienter dagegen ist ein gezielter Bezug von vielgenutzten Zeitschriften des Grundbedarfs innerhalb eines Konsortiums, um dadurch eine verbesserte Position in Vertragsverhandlungen zu erreichen und Artikel wenig genutzter Zeitschriften über ein pay-per-view-Verfahren zu beschaffen, wobei die Frage einer evtl. Subventionierung hier ausgeklammert bleiben soll.
Es sollte Aufgabe der SSG-Bibliotheken sowie der Zentralen Fachbibliotheken sein, die Zeitschriften, die eine geringe Nutzung aufweisen und somit aus dem Konsortialbezug ausgeklammert werden sollten, im Rahmen der überregionalen Literaturversorgung als Dokumentlieferung bzw. verstärkt als pay-per-view-Angebote bereitzustellen.
Nach abschließender Beurteilung sprechen die Projektergebnisse von ACCELERATE für eine verstärkte Ausrichtung auf pay-per-view-Angebote, wie sie zur Zeit im Gesamtprojekt EZUL aufgebaut und weiterentwickelt werden.
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