"Operaria"
Fotografien vor und hinter den Kulissen der Deutschen Oper am Rhein
von Udo Remmes
(7. Juni bis 7. Juli 2000)
Die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf zeigt in ihrer kommenden Ausstellung "Operaria", die am 7. Juni 2000 eröffnet wird, Fotografien aus der Deutschen Oper am Rhein. Der Fotograf, der Düsseldorfer Röntgendiagnostiker Dr. Udo Remmes, hat in den vergangenen Wochen fotografische Eindrücke hinter den Kulissen gesammelt, die er in zirka 50 Schwarzweißabzügen vorstellt.
Wir veröffentlichen nachstehend einen Text, in dem er über seine Arbeit reflektiert:
Einige Worte zur Fotografie
von K. M. Udo Remmes
"Die Daguerrotypie ist ein Zeugnis gegen die irrige Ansicht, daß die Kunst eine Nachahmung der Natur sei." Was Heinrich Heine hier in einfachen Worten über die früheste Form der Fotografie reflektiert, halte ich für eine komplexe Einschätzung und Erkenntnis von andauernder Gültigkeit. Heine stellt mit seinem Urteil die Fotografie in die Reihe der Künste und widerspricht a priori einem der Leitsätze der wohl legendärer Fotografenvereinigung. "Magnum", ein Jahrhundert später in Paris von Capa, Cartier-Bresson und Seymour gegründet, hat sich auf die Fahne geschrieben, die Welt so zu zeigen, wie sie wirklich ist - im besten journalistischen Sinne.
Doch die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters - um so mehr im Auge des Fotografen. So ist Fotografie immer streng subjektiv. Das Foto ist für mich persönlicher Ausdruck des Menschen, der es aufnimmt, seiner Natur und Kultur. Es verbindet selbst Mythos und Wissenschaft. Es zeigt Prozesse und Ordnungen unseres Lebens.
Heute gibt es nicht nur sehr viele und sehr unterschiedliche Techniken und Anwendungen der Fotografie. Fast ebenso viele Auffassungen und Schulen behaupten sich. Kaum eine der Grand Dames und Segnieurs der Fotografie, die nicht Flagge zeigten. Während mancher sich über den Vergleich definiert und durchaus bereitwillig etikettieren läßt, wehren sich andere oft und teils zu Recht gegen jede Klassifizierung. Nicht ohne Heiterkeit nehme ich zur Kenntnis, mit welchem Ernst bis hin zu einer breiten Intoleranz - an dieser freien Kunst gezerrt und reglementiert wird.
Tief beeindruckt bin ich von der Sichtweise Walker Evans', der die künstlerische Komponente für sich und seine Fotografien stets ablehnte - immerhin quasi als ?Hausfotograf" des New York Museum of Modern Arts. Die in schlichter Arbeitsweise entstandenen malerischen, doch uninszenierten Bildkompositionen Cartier-Bressons, die berühmten Environment-Portraits Arnold Newmans, die sorgfältigen Arrangements Cecil Beatons und Irving Penns erscheinen mir fast gleichermaßen faszinierend.
Gern lasse ich mich von allem, was ich sehe inspirieren. Doch es liegt mir nichts daran, Techniken oder Stilmittel zu übernehmen, anerkannten und großen Künstlern nachzueifern. Sicherlich gehöre ich zu den visuellen Menschen. Die Bildgebung nimmt in meinem Leben einen sehr großen Platz ein: auf der naturwissenschaftlichen Seite die medizinische, analytische Diagnostik der Bilder des menschlichen Körpers - auf der emotionalen Seite der Ausdruck meines Empfindens durch Bilder, formale Symbole, wie ich sie wahrnehme.
Bei der visuellen Wahrnehmung habe ich früher das prima vista Beeindruckende, das Gewichtige und Dramatische überschätzt. Gewiß nicht ohne Einfluß durch meine Arbeit als Röntgendiagnostiker habe ich zunehmend größere Aufmerksamkeit für das vermeintlich Nebensächliche entwickelt. Atmosphäre und Ambiente setzten sich aus vielen Details zusammen, im einzelnen manchmal sehr unspektakulär und wirksam nur durch die gezielte Zuwendung und Betrachtung oder durch die Summe. Diese optischen Fragmente, Seitenblicke, Kleinigkeiten interessieren mich, weit sie unsere Psyche so entscheidend beeinflussen können..
Motive suche ich nicht. Sie sind da und müssen nur erkannt werden. Der Ausdruck, ein Fotograf
"gehe auf Motivsuche", hat für mich etwas Befremdliches. Eine entspannte Offenheit gegenüber
allen Eindrücken führt mich in einen Zustand erhöhter Perzeption. Oft entstehen die
besten Bilder, wenn ich die Kamera erst einmal zur Seite lege und mich von der fotografischen
Vorstellung vollständig löse.
Meine Bilder entstehen "aus dem Bauch":
Ein Foto möchte ich weder der Technik einer Kamera überlassen, noch möchte ich es
analytisch planen - es sei denn, letzteres ist aus bestimmten Gründen so gewollt und erforderlich,
z.B. in der Studio- oder Landschaftsfotografie. Computergesteuerte Effekte setze ich bei meinen
Aufnahmen bewußt nicht ein. In erster Linie vertrete ich die klassische Schwarz/Weiß-Fotografie.
Einstellung und Führung der Kamera erfolgen intuitiv. Machen sich Autor oder Zeichner Gedanken
über die Haltung des Stiftes auf dem Papier? Die Kamera ist mir Stift und Papier; ich schreibe
mit Licht über Menschen und Dinge, die mich bewegen, die mich berühren.
Die Oper berührt mich. Ich liebe Musik und Theater. Durch die Oper findet beides eine wundervolle Symbiose, unersetzlich und nur erlebbar - im ursprünglichsten Sinne des Wortes.
Ort:
Zentralbibliothek, Universitätsstr. 1, Gebäude 24.41, 40225 DüsseldorfDauer:
7. Juni bis 7. Juli 2000Ansprechpartnerin
Carola Spies |
| 0211 - 81-15641 |
| 24.41.ZG.81 |
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