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In der Forschung wenig bis gar nicht bekannt ist die Tatsache, daß die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf - neben ihrem wertvollen Handschriftenbestand - auch über einen opulenten Fundus an mittelalterlichen Fragmenten verfügt, vom beginnenden achten bis zum sechzehnten Jahrhundert. Es handelt sich um etwa 750 Signaturen mit insgesamt annähernd 1500 Blättern bzw. Blatteilen, die unter den Signaturgruppen K 1 bis K 21 sowie M verwahrt sind. Eine wie auch immer geartete inhaltliche und paläographische Bestimmung existiert nicht (noch nicht, dazu unten mehr), da "grundsätzlich Fragmente vom Census ausgeschlossen (wurden)" (Handschriftencensus Rheinland 1, 1993, S. 2). Eine grobe Sichtung des reichhaltigen Materials ergab, daß 18 Signaturen des 8. Jahrhunderts zu verzeichnen sind, ca. 30 Signaturen des 9. Jahrhunderts, ca. 35 des 10. Jahrhunderts, ca. 40 des 11. Jahrhunderts, ca. 75 des 12. Jahrhunderts und ca. 90 des 13. Jahrhunderts. Die Addition führt demnach zu knapp 300 früh- und hochmittelalterlichen Zeugnissen, der Rest, etwa 450 Signaturen, verteilt sich auf spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Dokumente.
Das erstaunlich breite thematische Spektrum, jetzt nur auf das 8. bis 11. Jahrhundert bezogen, schließt unbekannte Klassikerüberlieferungen (u. a. Cicero, Plinius Maior, Vergil, Terenz, Lukan) genauso ein wie Kirchenväter (u. a. Augustinus, Johannes Chrysostomus, Gregor d. Gr.) und andere spätantike Autoren (u. a. Boethius, Martianus Capella, Maximus Taurinensis, Orosius, Priscianus) sowie Reste von Bibel- (Vulgata), Rechts- (Canonum collectio Quesnelliana) und hagiographischen Handschriften. Da die Existenz dieser Blätter bisher im dunkeln lag, konnten sie demnach für text- und überlieferungsgeschichtliche Forschung nicht herangezogen werden. Dieser unbefriedigende Zustand soll und wird sich ändern.
Denn: Der hohen Wertigkeit unseres Bestandes Rechnung tragend, hat sich die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) entschlossen, das Projekt "Inventarisierung und Digitalisierung der mittelalterlichen Handschriftenfragmente der ULB" in ihren Förderkatalog aufzunehmen. In einer ersten Phase (im Jahr 2003) wurden Digitalisate der nach Formaten vorsortierten Fragmente erstellt. Anschließend, und chronologisch fortschreitend, sind die Inventarisierungsarbeiten in Angriff genommen worden, wobei ein standardisierter Beschreibungsmodus zugrunde liegt (dazu: DFG-Leitlinien "Neue Konzepte der Handschriftenerschließung", 2001, hier Punkt 4.2.2 "Aufbau der Beschreibungen in Inventaren"). Beides, Digitalisat und Inventar, wird sukzessiv im WorldWideWeb zur Verfügung gestellt. Der Großteil der Fragmente steht bereits online zur Verfügung.
Die Datenbank der bis jetzt online gestellten Handschriftenfragmente finden sie hier.
Ansprechpartner:
Abbildung: Düsseldorf, ULB, K 6: 009, 9. Jahrhundert (um die Mitte?), folio 1 recto:
Plinius Maior, Naturalis historia, Buch 21 § 101 alopecuros stelephyros quam quidam
ortigen uocant ... Buch 21 § 112 ad texendas tegetes et ipsum
(ed. Jacques ANDRÉ, Pline l'Ancien. Histoire naturelle, livre XXI, Paris 1969, S. 63-67).
LITERATURHINWEISE:
- Max PLASSMANN, Ein Projekt zur Erschließung und Digitalisierung von mittelalterlichen Handschriftenfragmenten an der ULB Düsseldorf. In: ProLibris, Heft 1-2 (2004), S. 12 - 14.
- Klaus ZECHIEL-ECKES, Katalog der frühmittelalterlichen Fragmente der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Vom beginnenden achten bis zum ausgehenden neunten Jahrhundert. Bearb. von Klaus Zechiel-Eckes. Mit Beiträgen von Max Plassmann und Ulrich Schlüter. Wiesbaden : Reichert, 2003. VIII, 107 S. : Ill. ISBN 3-89500-35104 (Schriften der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf ; 34)
- Klaus ZECHIEL-ECKES, Von Leimabdrücken und Märtyrerschicksalen. Unbekannte Schätze im Tresor der Universitätsbibliothek gefunden, in: Magazin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf 1 (2002) S. 14 f.
- Irmgard SIEBERT - Klaus ZECHIEL-ECKES, Neue Fragmente und Texte des 8. Jahrhunderts aufgetaucht, in: Bibliotheksdienst 36, Heft 4 (2002) S. 507 f.
- Klaus ZECHIEL-ECKES, Vom armarium in York in den Düsseldorfer Tresor. Zur Rekonstruktion einer Liudger-Handschrift aus dem mittleren 8. Jahrhundert, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 58/1 (2002) S. 193-203
- KLAUS ZECHIEL-ECKES, Unbekannte Bruchstücke der merowingischen Passio Sancti Iusti pueri (BHL 4590 c), in: Francia 30/1 (2003) (im Druck)
PRESSERESONANZ (in Auswahl):

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