Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
 
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Handschriftensammlung

Die Benutzung unserer Handschriften ist ausschließlich im Sonderlesesaal möglich. Bitte beachten Sie unsere Benutzungsordnung und die besonderen Öffnungszeiten des Sonderlesesaals.

Seit 1977 verwahrt die ULB Düsseldorf als Dauerleihgabe der Stadt die mit 400 Manuskripten außerhalb Kölns größte Sammlung an mittelalterlichen Handschriften in Nordrhein-Westfalen.

Da sie ganz überwiegend als Säkularisationsgut aus 22 rheinischen und westfälischen Klöstern, Stiften und Konventen stammt, ist sie noch stärker liturgisch und theologisch geprägt, als dies bei Sammlungen mittelalterlicher Handschriften ohnehin zu vermuten ist.

  • Kreuzbrüderkonvent Düsseldorf: 83 Hss.
  • Kreuzbrüderkonvent Marienfrede: 65 Hss.
  • Zisterzienserabtei Altenberg: 54 Hss.
  • Benediktinerabtei Werden: 21 Hss.
  • Kanonissenstift Essen: 17 Hss.

Kleinere Provenienzgruppen stammen aus dem Düsseldorfer Marienstift (St. Lambertus), dem Dominikanerinnenkonvent Paradiese bei Soest, der Benediktinerabtei Groß St. Martin in Köln und dem Benediktinerkloster Siegburg.

Bestandsübersicht

SignaturengruppeGesamt9. Jh.10. Jh. 11. Jh.12. Jh.13. Jh.14. Jh. 15. Jh.16. Jh.
A. Bibelhandschriften183-14532-
B. Theologische Handschriften1994211691112234
C. Hagiographische und asketische Handschriften94--173113933
D. Liturgische Handschriften3712-123217
E. Kanonistische und römisch-rechtliche Handschriften14
F. Philosophische und philologische Handschriften13
G. Historiografische Handschriften7
N. Codices Novi3

Mehr als 100 spätmittelalterliche Handschriften enthalten größtenteils wenig erforschte Texte zur Devotio moderna im Rheinland und in einigen Fällen auch Forschungsmaterial zu so genannten vorreformatorischen Strömungen.

Im Folgenden präsentiert die ULB Düsseldorf eine Auswahl ihrer bedeutendsten Handschriften.

Bibelhandschriften

Der Codex A5 umfasst die z.T. mit den Prologen des Kirchenvaters Hieronymus (+ 420) eingeleiteten alttestamentlichen Schriften bis hin zu einer erklärenden Vorrede zum Jesajabuch, das selbst nicht enthalten ist. Man kann daher vermuten, dass es ursprünglich einen zweiten Band gegeben hat, der heute verschollen ist. Wie in anderen Handschriften des Alten Testaments ist auch hier der Psalter nicht aufgenommen, den man aus praktischen Gründen häufig als selbständige Handschrift benutzte. Der reiche Buchschmuck dieser Handschrift besteht vor allem aus 25 sehr schönen Fleuronné-Initialen mit blau-rot gespaltenem Stamm zu Beginn der Bücher Genesis bis Sirach, 6- bis 14zeilig und in halber Spaltenbreite; dazu auf der Rückseite von Blatt 6 eine Initiale mit Darstellung der Schöpfungsgeschichte. Spezifisch ist der spätmittelalterliche Wildledereinband, dessen ursprünglich an den vier Ecken und in der Mitte der beiden Deckel aufgenagelten Messingbeschläge bis auf einen Eckbeschlag alle verloren sind. Entstanden ist die Handschrift im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts in einem Kölner Buchmaleratelier; ihre Herkunft aus der stadtkölnischen Benediktinerabtei Groß St. Martin ist überliefert. Das große Format, die kunstvolle Schrift, die reiche Ausstattung durch kleine und prachtvolle größere Initialen deuten auf liturgische Verwendung dieser Bibelhandschrift. Dafür spricht auch die gelegentlich auf dem breiten Rand nachträglich vorgenommene Einteilung in Leseabschnitte. Parallelhandschriften zeigen die Nähe zur französischen Buchmalerei um 1300.

Theologische Handschriften

Unter den Handschriften mit patristischen Bibelkommentaren sind besonders die Manuskripte B3 und B4 hervorzuheben. Codex B3 enthält vorwiegend einzelne Bücher der Heiligen Schrift, Auszüge biblischer Texte und Bibelkommentare von Kirchenvätern (letztere teilweise als Exzerpte). Vollständig vorhanden ist der Hoheliedkommentar Gregors des Großen. Den umfangreichsten Text stellen die "Interrogationes et responsiones in Genesin" Alkuins (um 730 - 804) dar. Deren hier enthaltene Abschrift entstand bereits kurz nach der Abfassung des Textes. Außerdem enthält der Codex Heiligenviten (vor allem der in der Ostkirche verehrten Jungfrauen Euphrosyne und Marina, beide mit dem Motiv der "Monachoparthenos"), Hymnen sowie einen Auszug aus "De opere monachorum" Augustins. Herkunft und Entstehungszeit der Handschrift sind paläographisch gesichert. Die verwendete vorkarolingische (heute bizarr wirkende) "ab-Minuskel" verweist auf die Benediktinerabtei Corbie in Nordfrankreich bzw. auf Skriptorien unter deren unmittelbarem Einfluss und auf einen Zeitpunkt der Entstehung nicht lange nach 800. (Die "ab-Minuskel" wurde nämlich bald nach der Wende zum 9. Jahrhundert von der voll ausgebildeten karolingischen Minuskel verdrängt.) Durch Einträge des 13. und 17. Jahrhunderts ist der Codex sicher als Eigentum der Stiftsbibliothek Essen erwiesen. Jedoch lässt sich bereits für das Frühmittelalter Essener Besitz als äußerst wahrscheinlich annehmen. Damit wäre auch eine hochinteressante Eintragung am Ende des Codex nach Essen zu lokalisieren. Es handelt sich dabei um einen der frühesten überlieferten Briefe von einer Schülerin an ihre Lehrerin ("Domina magistra"). Dieser wurde um 900 oder wenig später auf das vorletzte Blatt der Handschrift eingetragen und stellt ein herausragendes indirektes Zeugnis für die frühmittelalterliche, an die Lebensform der Klöster und Stifte gebundene Frauenbildung dar.

Bei der Handschrift B4, die aus dem 8. Jahrhundert stammt, handelt es sich um den Text von Alkuins Johannes-Kommentar. Dieser Codex war seit dem 10. Jahrhundert in Essener Besitz.

Hagiographische und asketische Handschriften

Das bekannteste der Werke des Caesarius von Heisterbach (um 1180 bis nach 1240), berühmter Mönch des im rheinischen Siebengebirge gelegenen Zisterzienserklosters Heisterbach, ist der "Dialogus miraculorum" (1219-1223), als Handschrift C27 in Düsseldorf aufbewahrt. Es handelt sich um eine vielfach aus mündlicher Überlieferung geschöpfte, nach 12 Themen geordnete Sammlung moralisierender Wundergeschichten: äußere und innere Bekehrung zum Klosterleben, Beichte, Versuchung, Versucher, Herzenseinfalt, Marienwunder, Visionen, Eucharistie, allgemeine Wunder, Sterbende, Göttliches Gericht über Verstorbene. Die lebendig, teils naiv und drastisch geschilderten Exempla sind aufgebaut in der Form eines Dialogs zwischen einem Novitius interrogans und dem Monachus respondens. Hinter letzterem verbirgt sich Caesarius, der seine Novizen ein gottesfürchtiges Leben lehrt und vor den Gefährdungen der Welt warnt. Aufgrund der großen Anschaulichkeit in Darlegung und Sammlung der Mentalität der Zeit ist der "Dialogus" eine wertvolle Quelle für die mittelalterliche Kulturgeschichte. - Die Miniaturen des Codex zeigen den niederrheinischen Stil unter nordfranzösisch-flandrischem Einfluss.

Liturgische Handschriften

Die Handschrift D1 ist ein Sakramentar des 9. Jahrhunderts aus der Benediktinerabtei Werden. Der Codex enthält das Sacramentarium Gregorio-Hadrianum, d.h. er bietet als Textgrundstock ein Gregorianisches Sakramentar, das um ein von Papst Hadrian I. und Karl dem Großen angeregtes inhaltliches Supplement angereichert ist. Er enthält die Priestergebete der römischen Eucharistiefeier nach einer vermutlich der Zeit Papst Honorius I. (625-638) angehörenden Rezension in der Hadrianischen Bearbeitung (784/791), die Ende des 9. Jahrhunderts von Rom nach Aachen geschickt wurde, sowie spezifisch fränkische Zusätze, die ihrerseits Elemente der gallikanischen Liturgie enthalten. Während die künstlerische Gestaltung eher bescheiden ist (nur zwei Initialen sind ausgeschmückt, Buchillustrationen und Miniaturen fehlen ganz), hat er besonders wegen einiger im 1. Jahrhundert nach Entstehung der Handschrift eingefügter Lagen das Interesse der Forschung gefunden. Hervorzuheben sind ein Kalendarium mit Nekrologeintragungen, verschiedene volkssprachliche Namenslisten, ein griechisches Vaterunser (mit lateinischer Interlinearübersetzung), das Vaterunser in hebräischer Sprache mit lateinischen Buchstaben geschrieben und an mehreren Stellen marginale Ergänzungen in paläofränkischer Neumenschrift. Durch die namentliche Nennung von Papst und Kaiser in den großen Fürbitten des Karfreitagsgottesdienstes lässt sich dieses Sakramentar genau datieren, und zwar auf die Monate zwischen Januar 868 und Dezember 872. Zwar ist der Entstehungsort der Handschrift nicht genau zu bestimmen, doch spricht einige Wahrscheinlichkeit für die Herkunft aus der Benediktinerabtei Werden. Gewiss ist, dass das Sakramentar sich seit etwa 873/875 im Kanonissenstift Essen (das damals noch stark benediktinischen Einflüssen offen war) befand. Dort überstand der Codex den Großbrand des Stiftes 946. Die den wissenschaftlichen Wert des Sakramentars ausmachenden Nachträge sind mit Sicherheit in Essen entstanden. Auf fol. 221r des Codex befindet sich der zweitälteste Beleg für den substantivischen Gebrauch des Adjektivs "theodiscus", des althochdeutschen Grundwortes für "deutsch".

Die Handschrift D2 ist ein Sakramentar des frühen 10. Jahrhunderts und stammt aus dem Kanonissenstift Essen.

Der Codex D3 ist ein Missale, das entgegen früherer Provenienzbestimmung (Köln) wohl ebenfalls in Essen entstanden ist.

Codex D10a, ein Graduale, das alle Gesänge der Messe während des gesamten Kirchenjahres enthält, wurde für den Gebrauch der Dominikaner hergestellt, wie sich aus inhaltlichen und ikonographischen Kriterien erschließen lässt (z.B. Miniatur Bl. 2v). Die Geschichte der Handschrift und ihr Weg in die Düsseldorfer Bibliothek in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts liegen im Dunkeln. Die heute an mehreren Stellen nicht mehr vollständige Handschrift enthält 7 sehr kunstvolle Initialminiaturen zu den großen kirchlichen Fest- und Heiligentagen (1. Advent, Ostern, Pfingsten, Kirchweihe, Geburt und Himmelfahrt Mariens, Allerheiligen). Alle stammen von demselben Miniaturisten, der sie mit charakteristischen Abstufungen in Größe und Ausführung (Architekturrahmen, Mustergrund, marginales Rankenwerk mit Drolerien; Verwendung von Pulvergold usw.) schuf. Sie vertreten die elegante Richtung der Buchmalerei dieser Region in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Messgesänge sind notiert in einem roten Vierliniensystem mit "romanischer" Quadratnotenschrift, die im späten 12. Jahrhundert in Nordfrankreich entstand und durch liturgische Handschriften, z.B. der Dominikaner, nach Deutschland gelangte.

Erschließung

Informationen zur Erschließung des Düsseldorfer Handschriftenbestands finden Sie hier.

Redaktion: Gabriele Dreis       Stand: 06.01.2011, 10:18
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